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Ratgeber

Edelstahl am Boot pflegen: Flugrost und Teerost

Kurz gesagt: Edelstahl bleibt an Bord ansehnlich, wenn Salz und Schmutz nicht liegen bleiben. Spülen Sie Beschläge regelmäßig mit Süßwasser und milder Seife ab, entfernen Sie Rostflecken sofort mit einem geeigneten Reiniger und vermeiden Sie Spalten, in denen Wasser steht. Salzsäure, Chlor, Stahlwolle und Drahtbürsten aus normalem Stahl schaden der Oberfläche.

Was die Flecken bedeuten

Edelstahl ist durch eine dünne Passivschicht aus Chromoxid geschützt, die sich nach einer Beschädigung von selbst wieder bildet. Korrosion entsteht dort, wo diese Schicht örtlich gestört wird oder sich nicht erneuern kann. Die Tabelle ordnet die häufigsten Bilder an Bord ihrer Ursache zu.

ErscheinungUrsacheWas hilft
Rostpunkte, oft nach Arbeiten an BordFremdrost: Eisenpartikel aus Schleifstaub, Funkenflug, Werkzeug oder rostigem Tropfwassersofort entfernen, siehe unten
Braune, flächige Verfärbung an der KüsteTeerost: Chloride und Feuchtigkeit auf der Oberfläche, verstärkt auf rauen Flächenregelmäßig mit Süßwasser waschen, glatte Oberflächen
Nadelstichfeine LöcherLochfraß: Chloride durchbrechen die Passivschicht örtlich, verstärkt durch Ablagerungen und FremdrostWerkstoff prüfen, Ablagerungen vermeiden, A4 oder D6 statt A2
Rost am Fuß eingebetteter BeschlägeSpaltkorrosion: Salz und Feuchtigkeit halten sich unter Unterlagen und in Fugendauerelastisch abdichten, Wasser ablaufen lassen
Weißes Pulver am Aluminium neben EdelstahlKontaktkorrosion: Aluminium wird angegriffen, wenn es leitend mit Edelstahl verbunden und feucht istIsolierscheiben und Hülsen aus Kunststoff

Practical Sailor beobachtet Rost an Bord meist am Fuß eingebetteter Beschläge, an Längsnähten gerollter Handläufe, in Lochfraßstellen und an Schweißnähten. Dort lohnt es sich, genau hinzusehen.

Pflegeplan

Nach dem Törn

  • Beschläge, Reling und Drahtseile mit reichlich Süßwasser abspülen.
  • Bei Salzkruste milde Seife verwenden und nachspülen.
  • Stehendes Wasser in Vertiefungen und an Kanten abwischen.

Bei Rostflecken

  • Fremdrost sofort entfernen. Die Informationsstelle Edelstahl Rostfrei nennt Reinigungs- und Poliermittel mit Calciumcarbonat oder Reiniger auf Zitronensäurebasis.
  • Frische Eisenstäube lassen sich mit gesättigter Oxalsäure lösen, die mit einem weichen Tuch aufgetragen wird und einige Minuten einwirkt. Auch phosphorsäurehaltige Spezialreiniger helfen.
  • Practical Sailor empfiehlt Paste statt dünnflüssiger Mittel und für enge Stellen eine Zahnbürste.
  • Danach gründlich mit Süßwasser abspülen.

Zum Saisonende

  • Alle Beschläge auf Rostspuren, Risse und lose Verschraubungen prüfen.
  • Fugen und Abdichtungen unter Beschlägen kontrollieren; gerissene Dichtmasse erneuern.
  • Wantenspanner reinigen und schmieren, siehe Wantenspanner und Seilspanner.

Was Sie nicht verwenden

  • Salzsäure. Sie darf laut Informationsstelle Edelstahl Rostfrei nie verwendet werden.
  • Chlor. Chlorhaltige Reiniger sind stark korrosiv für Edelstahl.
  • Stahlwolle, Drahtbürsten und Spachtel aus normalem Stahl. Sie hinterlassen Eisenpartikel, die als Fremdrost wiederkommen.
  • Werkzeug, das vorher an normalem Stahl im Einsatz war. Aus demselben Grund.

Vorbeugen beim Einbau

Auswahl und Einbau bestimmen mit, wie gut Edelstahl an Bord besteht.

  1. Die richtige Güte wählen. An Deck A4, für Ankerkette und hoch belastete Teile in Dauernässe D6. Die Gründe stehen im Ratgeber A2, A4 oder D6.
  2. Glatte Oberflächen bevorzugen. Nach Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung steigt die Beständigkeit bei einer Rauheit unter 0,5 µm deutlich; polierte und elektropolierte Teile schneiden besser ab als geschliffene oder gebürstete. Die Scheuerleisten aus A4 sind zum Beispiel gebeizt, passiviert und poliert.
  3. Spalten vermeiden. Beschläge dauerelastisch abdichten, damit kein Wasser unter der Grundplatte steht. Spröde Dichtmassen, die bei Bewegung reißen, verschlimmern Spalten.
  4. Edelstahl und Aluminium trennen. Isolierscheiben und Hülsen aus Kunststoff verhindern Kontaktkorrosion am Aluminium.
  5. Schrauben in derselben Güte. Unter A4-Beschlägen A4-Schrauben, -Muttern und -Scheiben, siehe Edelstahlschrauben nach DIN und ISO.

Häufige Fragen

Warum rostet mein A4-Beschlag?

Meist ist es Fremdrost oder Teerost auf der Oberfläche und kein Durchrosten. A4 ist an der Küste die übliche Güte, aber nicht ohne Pflege meerwasserbeständig; Salz, Schmutz und Eisenpartikel auf der Oberfläche führen zu Flecken. Mit Reinigung nach dem Pflegeplan verschwinden sie in der Regel.

Wie lange braucht die Passivschicht?

Nach dem Beizen bildet sie sich laut Informationsstelle Edelstahl Rostfrei in zwei bis acht Stunden voll aus. Passivieren, meist mit verdünnter Salpetersäure, beschleunigt das.

Hilft Polieren gegen Rost?

Eine glatte Oberfläche hält weniger Salz und Schmutz fest und ist deshalb beständiger. Elektropolierte Oberflächen sind nach Angabe der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei besonders beständig, weil dabei eine chromreiche Oberfläche entsteht.

Spielt die Temperatur eine Rolle?

Ja. Nach dem australischen Edelstahlverband ASSDA verdoppelt sich die Korrosionsrate etwa je 10 Grad Temperaturanstieg. In warmen Revieren lohnt es sich deshalb, Beschläge häufiger mit Süßwasser abzuspülen.

Quellen

  • Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, Merkblätter 821, 822, 826, 828 und 829
  • Euro Inox und Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, Merkblatt 974: Elektropolieren nichtrostender Stähle
  • Würth Industrie Service: DINO Technischer Teil, Kapitel 2.2, Fremdrost
  • ASSDA: Seven ways to prevent tea staining of stainless steel (15.05.2023)
  • Practical Sailor, Darrell Nicholson: Maintaining Stainless Steel (06.11.2019)
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